Gesellschaft – Wissen – Diskurse / Parapsychologie und paranormale Phänomene

Ghosthunting – Kontaktaufnahme mit dem Übersinnlichen?

Ghosthunting ist eine seit Beginn der 2000er Jahre zunehmend populär gewordene Freizeitbeschäftigung für Personen, die durch sogenannte paranormale Untersuchungen (PUs) an angeblichen Spukorten mit dem „Übersinnlichen“ in Kontakt kommen und paranormale Phänomene dokumentieren möchten.

Die Faszination für das Übersinnliche, oft in Kombination mit persönlichen Erlebnissen in der Vergangenheit oder Gegenwart, ist der am häufigsten genannte Aspekt der Faszination am Ghosthunting (GH) und damit wohl auch die stärkste Motivation für den Wunsch, einer Ghosthunting-Gruppe beizutreten oder selbst eine Gruppe zu gründen.  Ein in der Szene oft geäußertes Ziel bei dem GH ist es, zuvor erlebte außergewöhnliche Erfahrungen und Phänomene genauer zu erforschen und nach einer möglichen Ursache zu suchen. Der Kontakt mit dem Übersinnlichen, mit Geistern, Geistwesen oder anderen Entitäten soll dabei vor allem mittels technischer Hilfsmittel hergestellt werden. Die Aufzeichnungen und Messungen werden im Anschluss analysiert und die Ergebnisse oft als Forschungsberichte auf ihren eigenen Websites, auf YouTube und auf Facebook der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive ist vor allem interessant, welchem Wissenschaftsbild die Ghosthunter folgen, welche Rollen Massenmedien und soziale Netzwerke in der Ghosthunting-Szene spielen und was für Auswirkungen dies auf die professionelle parapsychologische Beratung, wie sie das IGPP anbietet, haben könnte.

Abb. 1

Ausgewählte Projekte

Ghosthunting und Ghosthunting-Gruppen in Deutschland

Ziel dieses Forschungsprojekts war es, (1) einen Überblick über die aktuelle Situation der Ghosthunting-Szene in Deutschland, die Zusammensetzung der Ghosthunting-Gruppen (GHGs), den spezifischen Ansatz bei paranormalen Untersuchungen (PUs) und die dabei gemachten außergewöhnlichen Erfahrungen (AgEs) zu erhalten und (2) die Menschen besser zu verstehen, die dieser zeitaufwändigen und ressourcenintensiven Freizeitbeschäftigung nachgehen. Ghosthunting erfordert ein hohes Maß an Engagement. Wir wollten wissen, welche „Art von Menschen” sich davon angezogen fühlen und welche individuellen Motive die einzelnen Geisterjäger:innen haben. Außerdem wollten wir Informationen darüber erhalten, welche Art von AgEs vorherrschen und wie ausgeprägt paranormale und übernatürliche Überzeugungen bei den Beteiligten sind. Zu diesem Zweck hatten wir zwei Fragebögen erstellt, von denen der erste an ganze Ghosthunting-Teams und der zweite an Einzelpersonen gerichtet war. Im Letztgenannten wurden neben den selbst geschaffenen Fragebogenitems auch ein Fragebogen zu außergewöhnlichen Erfahrungen (Fach, PAGE-II) und ein Fragebogen zu paranormalen Überzeugungen (Schofield et al., BitSS) eingesetzt.

Ergebnisse Studie 1: In vielen Aspekten folgen die GHGs ähnlichen Modellen und nutzen Technik und Methoden, wie sie auch von frühen amerikanischen und englischen Vorbildern bekannt sind. Soziale Netzwerke ersetzen jedoch mittlerweile weitgehend traditionelle Webseiten und lokale Fernsehsendungen als Ort der Präsentation eigener PUs. Unterschiede zeigten sich vor allem im zweiten Schritt, nämlich der Datenanalyse und Dokumentation. Außerdem variierten die Gruppen stark hinsichtlich ihrer Größe und der Häufigkeit der PUs pro Jahr.

Ergebnisse Studie 2: Ghosthunter berichten erwartungsgemäß mehr AgEs als vorhandene Vergleichsgruppen und haben auch ausgeprägtere paranormale Überzeugungen (BitSS), was allein aus der Wahl des Hobbies naheliegt. Überraschenderweise glauben 85 % an einen Zusammenhang zwischen paranormalen Phänomenen und Verstorbenen, obwohl sich 30 % als Atheisten oder Agnostiker bezeichnen.  Dies deutet darauf hin, dass die Überzeugung, dass Geister Verstorbener sich bemerkbar machen können, nicht unbedingt mit dem religiösen Glauben an einen Gott verbunden ist. Im Unterschied zur Klientel des Beratungsservice des IGPP sind AgEs in der Regel für Ghosthunter nicht beunruhigend, sondern wecken Neugier und den Wunsch nach weiteren Untersuchungen. Fast zwei Drittel gaben an, dass frühere AgEs eine wichtige Motivation für die Aufnahme der Geisterjagd waren.

Neben dem Unterhaltungsaspekt spielt für viele Ghosthunter die Möglichkeit eines „echten” Kontakts mit dem Paranormalen eine wichtige Rolle, etwas, das in den Medienangeboten zu diesem Thema nicht zu finden ist. Ihre Motivation reicht von wissenschaftlichem Interesse bis hin zum Wunsch, die eigenen Überzeugungen zu bestätigen oder in Frage zu stellen.

Projektteam

Sonja Nowara

Publikationen

Mayer, G., & Nowara, S. (2026). Ghost hunting groups and ghost hunters in Germany: Results of two online surveys. Journal of the Society for Psychical Research, (in press).

Nowara, S., & Mayer, G. (2024). Deutsches Ghosthunting—Historischer Überblick und Einblicke einer Insiderin. Journal of Anomalistics / Zeitschrift für Anomalistik, 24(1), 151–188. https://doi.org/10.23793/zfa.2024.151

Mayer, G. (2013). A sample phenomenology of the ghost hunting scene in the USA and in Germany. In O. Jenzen & S. R. Munt (Hrsg.), The Ashgate research companion to paranormal cultures (S. 363–376). Ashgate.

Mayer, G. (2010). Die Geisterjäger kommen: Phänomenologie der Ghost Hunting Groups. Zeitschrift für Anomalistik, 10(1+2), 17–48.