Schaufenster ins IGPP-Archiv:

#6TANTE ELSES KOFFER
#5HANS DRIESCH ALS NETZWERKER
#4PSI ODER NICHT PSI
#3STIMMEN AUS DEM JENSEITS?
#2SICHER SIEGEN
#1DAS ALIEN IM WALD

 

Schaufenster ins IGPP-Archiv #6 (9.3.2022)

TANTE ELSES KOFFER

von Uwe Schellinger

Koffer von Else Liefmann
Abbildung: Koffer von Else Liefmann (Archiv des IGPP, Bestand 10/20)

Die Kinder- und Sportärztin Dr. Dr. Else Liefmann (1881–1970) gilt als eine der bemerkenswertesten Frauen der Freiburger Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert. Neben ihrer Tätigkeit als Ärztin mit eigener Praxis engagierte sie sich in der Weimarer Republik als Stadtverordnete der Deutschen Demokratischen Partei und war in vielfältiger Weise für die Organisation und die Belange von Ärztinnen und Akademikerinnen aktiv. Seit 2000 ist in Freiburg-Weingarten ein Platz nach ihr benannt. Im Jahr 2003 eröffnete man das Liefmann-Haus in der Goethestraße als Gästehaus der Universität Freiburg.

Else Liefmann
Abbildung: Dr. Dr. Else Liefmann (1881-1970), Reproduktion, unbekannte*r Fotograf*in (Archiv des IGPP)

Else Liefmann stand in einer besonderen Beziehung zur Familie von Hans Bender, dem Gründer des IGPP. Sie war die beste Freundin von dessen Mutter Alice Bender-Hartlaub. Bender war der Patensohn von Else Liefmann, die ihn ihren „Göttibub“ nannte. Sie selbst war für Bender einfach die „Tante Else“.
In den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur verliefen ihre Lebenswege dann völlig unterschiedlich: Während Hans Bender eine universitäre Karriere bis hin zum Professorentitel einschlagen konnte, bedeutete der Machtantritt der Nationalsozialisten für seine Patentante einen gravierenden biographischen Einschnitt. Aufgrund der jüdischen Herkunft ihrer Eltern, die zum Protestantismus konvertiert waren, geriet Else Liefmann ebenso wie ihre Geschwister Martha und Robert in den Fokus der nationalsozialistischen Rassepolitik. Im Oktober 1940 wurden die Geschwister Liefmann zusammen mit fast allen Jüdinnen und Juden Freiburgs in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Ihr Elternhaus sowie ihr zurückgelassener Besitz wurden danach „arisiert“.
Else Liefmann gelang 1942 die Flucht aus Frankreich in die Schweiz. Fortan in Zürich lebend, konnte sie sich in den folgenden Jahren aber nur mit Mühe über Wasser halten. Man hatte ihr 1938 die Approbation entzogen und die wissenschaftliche Laufbahn war abgebrochen worden.
1960 besuchte sie Freiburg ein letztes Mal – zur Beerdigung ihrer besten Freundin Alice Bender-Hartlaub. Mit dem Buch Helle Lichter auf dunklem Grund veröffentlichte Else Liefmann zusammen mit ihrer Schwester Martha im Jahr 1966 einen der ersten Erinnerungsberichte an die Geschehnisse während der NS-Zeit in Freiburg, an das Camp de Gurs und an die Flucht.

 

Martha Liefmann/Else Liefmann: Helle Lichter auf dunklem Grund, Bern: Christliches Verlagshaus, 1966
Abbildung: Martha Liefmann/Else Liefmann: Helle Lichter auf dunklem Grund, Bern: Christliches Verlagshaus, 1966 (Archiv des IGPP, 10/20_8)

Else Liefmann wird überwiegend mit ihrem Opferschicksal wahrgenommen und darauf reduziert. Ihre vielfältigen wissenschaftlichen Aktivitäten vor und nach der NS-Zeit sind hingegen so gut wie unbeachtet geblieben. Möglicherweise kann ihr im IGPP aufbewahrter Teilnachlass hier Abhilfe schaffen. Während sich Liefmann in den 20er-Jahren mit Themen aus der Kinderheilkunde und mit der Forschung zu Zwillingen befasste, waren es in den Nachkriegsjahrzehnten insbesondere Forschungen zu Handlinien und zur sogenannten Chirologie. Hier, bei diesen unorthodoxen Deutemethoden, ergaben sich Schnittmengen zum Profil des IGPP. Kurz vor ihrem Tod im Jahr 1970 hinterließ sie deshalb ihrem Patensohn Hans Bender Teile ihres Nachlasses. So gelangte auch ein Koffer Else Liefmanns gefüllt mit „Material für die wissenschaftliche Arbeit über Handabdrücke“ in das IGPP.

 

Heft mit Handabdrücken (1950er Jahre) (Archiv des IGPP, 10/20_34)
Abbildung: Heft mit Handabdrücken (1950er Jahre) (Archiv des IGPP, 10/20_34)

Metallene Druckvorlagen mit Handabdrücken (1950er Jahre) (Archiv des IGPP, 10/20_ 24)
Abbildung: Metallene Druckvorlagen mit Handabdrücken (1950er Jahre) (Archiv des IGPP, 10/20_ 24)

 

Separatum: Else Liefmann: Ist Handlesung (Chirologie) eine Wissenschaft? (Der Psychologe. Monatsschrift für Psychologie und Lebensberatung, 11. Jg., H. 4, 1959) (Archiv des IGPP, 10/20_12)
Abbildung: Separatum: Else Liefmann: Ist Handlesung (Chirologie) eine Wissenschaft? (Der Psychologe. Monatsschrift für Psychologie und Lebensberatung, 11. Jg., H. 4, 1959) (Archiv des IGPP, 10/20_12)

 

Im IGPP ausgestellte Objekte:

Fotografie: Else Liefmann (1881-1970), unbekannte*r Fotograf*in, Reproduktion
(Archiv des IGPP)

Buch: Martha Liefmann/Else Liefmann: Helle Lichter auf dunklem Grund, Bern: Christliches Verlagshaus, 1966
(Archiv des IGPP, 10/20_8)

Heft mit Handabdrücken (1950er Jahre)
(Archiv des IGPP, 10/20_34)

Metallene Druckvorlagen mit Handabdrücken ((1950er Jahre)
(Archiv des IGPP, 10/20_ 24)

Separatum: Else Liefmann: Ist Handlesung (Chirologie) eine Wissenschaft? (Der Psychologe. Monatsschrift für Psychologie und Lebensberatung, 11. Jg., H. 4, 1959)
(Archiv des IGPP, 10/20_12)

Koffer von Else Liefmann, 32,5cm x 49,5cm x 12,5cm, Aufschrift: „Material für die wissenschaftliche Arbeit über Handabdrücke“
(Archiv des IGPP, Bestand 10/20)

 

Schaufenster ins IGPP-Archiv #5 (12.1.2022)

HANS DRIESCH ALS NETZWERKER

von Michael Nahm

Brief von Hans Driesch an Gerda Walther
Abbildung: Brief von Hans Driesch an Gerda Walther
(Köln, 4.3.1928) (Archiv des IGPP, 10/6_4)

Der namhafte deutsche Biologe und Philosoph Hans Driesch (1867–1941) beschäftigte sich insbesondere in den Jahren von 1920 bis 1940 intensiv mit der Parapsychologie, die er für die bedeutendste aller Wissenschaftsdisziplinen hielt. Zahlreiche Publikationen hierzu festigten Drieschs Ruf als ein Leitstern der akademischen Parapsychologie dieser Zeit. Eine 2021 unter Mitwirkung von Michael Nahm am IGPP erschienene Monographie beleuchtet sein Leben und Aspekte seines Schaffens, von denen viele noch immer aktuell sind.

Aufgrund seines Bekanntheitsgrades war Hans Driesch immer wieder auch als Netzwerker aktiv, wie ein erhaltener Brief Drieschs an die promovierte Philosophin und angehende Parapsychologin Gerda Walther (1897–1977) belegt. Das Schreiben, datiert auf den 4. März 1928, bestätigt Walthers Angaben in ihrer Autobiografie Zum anderen Ufer (1960), wonach ihre „folgenschwere“ Tätigkeit als Sekretärin von Albert von Schrenck-Notzing (1862–1929), einem weiteren führenden Parapsychologen seiner Zeit, vor allem durch die Vermittlung von Driesch zustande kam:

„Am liebsten hätte ich mich auf parapsychologischem Gebiet betätigt. […] Es fiel mir ein, daß ja Prof. Hans Driesch, wie ich aus einigen seiner Aufsätze in der „Zeitschrift für Parapsychologie“ wusste, diesen Forschungen positiv gegenüber stand, und ich schrieb ihm in diesem Sinne. Prof. Driesch […] riet mir, mich unter Berufung auf ihn an Dr. Frh. Von Schrenck-Notzing in München zu wenden. Damit begann ein völlig neuer, folgenschwerer Abschnitt in meinem Leben.“

Der hier gezeigte Brief von Hans Driesch aus Köln ist offenbar die Antwort auf diese Anfrage Walthers, wie unter anderem folgende Auszüge erkennen lassen:

„Sie könnten ja immerhin einmal an Schrenck schreiben, ob er eine Assistentin braucht (Adr. München, Max Josefstr. 3). […]  Dabei könnten Sie erwähnen, daß ich Ihnen dazu geraten habe.“

Der größte Teil der Korrespondenz Drieschs wird heute in der Universitätsbibliothek in Leipzig aufbewahrt. Im Archiv des IGPP ist der im Teilnachlass von Gerda Walther aufbewahrter Brief hingegen als einer der wenigen handschriftlichen Belege von Hans Driesch eine Besonderheit. Das Dokument stellt somit ein ergänzendes Zeugnis bedeutender Vertreter*innen der Parapsychologie aus der Zeit der ersten Blüte dieser Forschungsdisziplin in Deutschland dar.

 

Prof. Dr. Hans Driesch
Abbildung: Prof. Dr. Hans Driesch (1867-1941), Reproduktion, unbekannte*r Fotograf*in (Archiv des IGPP, Bestand 2/2)

Dr. Gerda Walther
Abbildung: Dr. Gerda Walther (1897-1977), Reproduktion, unbekannte*r Fotograf*in (Archiv des IGPP, Bestand 2/2)

Buch „Sprechfunk mit Verstorbenen. Praktische Kontaktherstellung mit dem Jenseits“
Abbildung: Gerda Walther: Zum anderen Ufer. Vom Marxismus und Atheismus zum Christentum, Remagen: Otto Reichl, 1960

Protokoll einer Einspielung mit Friedrich Jürgenson vom 22./23.8.1964
Abbildung: Stephan Krall/Michael Nahm/Hans-Peter Waldkirch: Hinter der Materie. Hans Driesch und die Natur des Lebens, CH-Zug: Die Graue Edition, 2021

 

Im IGPP ausgestellte Objekte:

Brief: Hans Driesch an Gerda Walther (Köln, 4.3.1928), Reproduktion
(Archiv des IGPP, 10/6_4)

Fotografie: Prof. Dr. Hans Driesch (1867-1941), Reproduktion, unbekannte*r Fotograf*in
(Archiv des IGPP, Bestand 2/2)

Fotografie: Dr. Gerda Walther (1897-1977), Reproduktion, unbekannte*r Fotograf*in
(Archiv des IGPP, Bestand 2/2)

Buch: Gerda Walther: Zum anderen Ufer. Vom Marxismus und Atheismus zum Christentum, Remagen: Otto Reichl, 1960
(Archiv des IGPP, Bestand 20/30)

Buch: Stephan Krall/Michael Nahm/Hans-Peter Waldkirch: Hinter der Materie. Hans Driesch und die Natur des Lebens, CH-Zug: Die Graue Edition, 2021
(Privatbesitz)

 

Schaufenster ins IGPP-Archiv #4 (04.11.2021)

PSI ODER NICHT PSI – DAS FAMMI-PROJEKT

von Gerhard Mayer

T-Shirt des Freiburger FAMMI-Projekts
Abbildung: T-Shirt des Freiburger FAMMI-Projekts, ca. 1996 (Archiv des IGPP, Bestand 8/2)

Psi-Experimente mit Zufallsgeneratoren haben eine lange Tradition in der experimentellen parapsychologischen Forschung. Die Princeton Engineering Anomalies Research-Gruppe (PEAR) um Robert Jahn, Brenda Dunne und Roger Nelson optimierte die Technik bei solchen Mikro-Psychokinese-Experimenten. Dabei wurden die Versuchsteilnehmer:innen vor einen Computermonitor gesetzt und sollten versuchen, eine dort verlaufende und durch den zufallsbasierten Output von Nullen und Einsen erzeugte Linie mittels ihrer „geistigen Kräfte“ je nach Anweisung nach oben oder unten zu bewegen.

Das PEAR-Programm begann 1979. In über 12 Jahren konnte die Gruppe mit über 500 zusammengefassten Einzelexperimenten einen hochsignifikanten, wenn auch schwachen Psi-Effekt nachweisen. Es war den Versuchspersonen insgesamt gelungen, nur mithilfe ihres „Geistes“ die Zufallsprozesse zu beeinflussen.
Ein solcher Befund forderte natürlich zu unabhängigen Replikationen in anderen Labors auf. Dies wurden durch das vom IGPP in Freiburg, dem Gießen Anomalies Research Project (GARP) und der PEAR-Gruppe im Jahr 1996 gebildete Mind/Machine-Interaction Consortium (MMI) initiiert. An den drei Instituten wurden in der Folge jeweils 250 Experimentalserien durchgeführt. Die signifikanten Befunde der PEAR-Gruppe konnten dabei allerdings nicht repliziert werden.

Die Durchführung der MMI-Experimente am IGPP wurde durch die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter Holger Bösch und Emil Boller vorgenommen. Sie nannten das Projekt „FAMMI“ (Freiburg Anomalous Mind-Machine Interaction Group). 250 Experimentalserien sind eine stattliche Anzahl. Um Versuchsteilnehmer:innen zu mehrfacher Teilnahme an dem eher ermüdenden Experiment zu motivieren, ließen Bösch und Boller T-Shirts anfertigen, auf die neben dem Logo des IGPP auf der Vorderseite und Rückseite der Satz „PSI ODER NICHT PSI“ und die E-Mail-Adresse des Projektes aufgedruckt waren. Nach 10 absolvierten Sitzungen bekam man ein solches T-Shirt als Belohnung. Auch Institutsmitarbeiter:innen beteiligten sich an den FAMMI-Experimenten, die 2000 in einen umfassenden Abschlussbericht des MMI einflossen.

Das hier gezeigte T-Shirt des Versuchsteilnehmers Nr. 63 wurde danach von seinem Besitzer sehr oft getragen und gewaschen und, nachdem der Aufdruck stark ausgebleicht war, auch als Arbeitskleidung für private Malerarbeiten verwendet.
Es ist ein materielles Überbleibsel aus jener Zeit, als sich das IGPP in einer aufregenden und vielleicht auch etwas chaotisch anmutenden Wachstumsphase befand.

Logbücher
Abbildung: „Logbücher“ zu den Experimenten des Freiburger FAMMI-Projekts (1996-1998) (Archiv des IGPP, Bestand W/2)

Cover Abschlussbericht
Abbildung: Abschlussbericht des Mind/Machine Interaction Consortiums (2000)

Im IGPP ausgestellte Objekte:

T-Shirt (ca. 1996), weiß, blauer Aufdruck: „PSI oder nicht PSI / FAMMI@IGPP.DE“ (Archiv des IGPP, Bestand 8/2)

5 „Logbücher“ des FAMMI-Projekts (1996-1998), hier 5 von insg. 9 Exemplaren (Archiv des IGPP, Bestand W/2)

Abschlussbericht Robert Jahn et al.: „Mind/Machine Interaction Consortium:
PortREG Replication Experiment“ (April 2000) (Archiv des IGPP, 40/2_21)

Literatur:

Robert Jahn/Brenda J. Dunne/John Bradish/York H. Dobyns/ Arnold Lettieri/Roger Nelson/Johannes Mischo/Emil Boller/Holger Bösch/Dieter Vaitl/Joop Houtkooper/Bertram Walter: Mind/machine interaction consortium: PortREG replication experiments, in: Journal of Scientific Exploration 14 (2000) 499-555.

Dieter Vaitl/Stefan Schmidt: Mind-Machine Interaction Consortium, in: D. Vaitl (Hg.): An den Grenzen unseres Wissens. Von der Faszination des Paranormalen, Freiburg-Basel-Wien 2020, 289-295.

 

Schaufenster ins IGPP-Archiv #3 (02.09.2021)

HÖR‘ MAL, WER DA SPRICHT –
STIMMEN AUS DEM JENSEITS?

von Frauke Schmitz-Gropengießer

Agfa-Magnetonband mit Einspielungen von Friedrich Jürgenson vom August 1964
Abbildung: Agfa-Magnetonband mit Einspielungen von Friedrich Jürgenson vom August 1964 (Archiv des IGPP, 4/2_98)

Die Frage, ob Verstorbene mit Lebenden Kontakt aufnehmen können, gehört zu den großen Rätseln der Menschheit und ist ein existenzielles Motiv in der Geschichte des Spiritismus und des Okkultismus. Mit der technischen Entwicklung des Tonbands im 20. Jahrhundert erhielt diese Fragestellung eine neue Dimension.
Der schwedische Opernsänger und Maler Friedrich Jürgenson (1903–1987) hatte im Sommer 1959 beim Abspielen eines Tonbands mit Vogelstimmen den Eindruck, im Hintergrund eine leise Männerstimme vernommen zu haben, die auf Norwegisch von „nächtlichen Vogelstimmen“ sprach. Beim eigentlichen Aufnahmevorgang hatte er diese Stimme nicht gehört. Nach umfangreichen weiteren Hörversuchen kam Jürgenson zu dem Schluss, dass es Stimmen von Verstorbenen seien, die den Lebenden zumeist tröstliche Botschaften überbringen wollten.

Friedrich Jürgenson (1903–1987)
Abbildung: Friedrich Jürgenson (1903–1987) (Archiv des IGPP, Bestand 20/5)

Jürgensons Forschungen erregten große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, so dass sein 1964 erschienenes Buch Rösterna Från Rymden unter dem Titel Sprechfunk mit Verstorbenen ins Deutsche übersetzt wurde und seit 1967 mehrere Auflagen erzielte.

Buch „Sprechfunk mit Verstorbenen. Praktische Kontaktherstellung mit dem Jenseits“
Abbildung: Buch „Sprechfunk mit Verstorbenen. Praktische Kontaktherstellung mit dem Jenseits“ (Friedrich Jürgenson, München: Wilhelm Goldmann, 2. Aufl. 1982) (Privatbesitz)

Protokoll einer Einspielung mit Friedrich Jürgenson vom 22./23.8.1964
Abbildung: Protokoll einer Einspielung mit Friedrich Jürgenson vom 22./23.8.1964 (Archiv des IGPP, E/23_613)

Die Tonbandstimmenphänomene erweckten auch beim Gründer des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V., Hans Bender (1907–1991), großes Interesse. Es kam 1963 zum Kontakt mit Jürgenson, mit dem sich in der Folge eine rege Korrespondenz entwickelte.

Bei gemeinsamen Tonbandeinspielungen wurden nur wenige Minuten dauernde private Gespräche oder Radiofrequenzen aufgenommen. Beim Abspielen waren technisch nicht erklärbare weibliche und männliche Stimmen zu hören, die dazwischenriefen oder dazwischenflüsterten. Im Archiv des IGPP befinden sich über 30 solcher Magnettonbänder, darunter die Aufzeichnung einer der ersten Sitzungen im August 1964 mit dem zugehörigem Protokoll, an der neben Hans Bender und Friedrich Jürgenson auch der Leiter des gastgebenden Deutschen Instituts für Feldphysik in Northeim, Burkhard Heim, dessen Toningenieur Wolf-Dieter Schott, der Student Geīr Vilhjalmsson sowie der Münchner Physiker Friedrich Karger teilgenommen hatten.

Der 1975 gegründete Verein für Transkommunikationsforschung e.V. (VTF) widmet sich in der Nachfolge Jürgensons bis heute solchen Einspielversuchen.

VTF-Post, Jg. 47
Abbildung:VTF-Post, Jg. 47, Ausgabe 1/2021, Nr. P 180

 

Im IGPP ausgestellte Objekte:

Agfa-Magnetonband/PE 31 360m 1200ft/Langspiel-Band (1964), Aufschrift: „Protokoll (Nebenraum), (Telefunken 4spm), Jürgenson, Northeim, August 1964“ (Archiv des IGPP, 4/2_98)

Protokoll vom 22./23.8.1964 (8 Bl.): „Experimente mit Herrn Friedrich Jürgensson [sic!] im „Deutschen Institut für Feldphysik[“], Northeim, Auszug aus Protokoll Bender über vermutliche „Einspielungen“ (Archiv des IGPP, E/23_613)

Fotographie von Friedrich Jürgenson (um 1970), unbekannte/r Fotograph/in, Abzug auf Silbergelatinepapier (Archiv des IGPP, Bestand 20/5)

Buch Sprechfunk mit Verstorbenen. Praktische Kontaktherstellung mit dem Jenseits“ (Friedrich Jürgenson, München: Wilhelm Goldmann, 2. Aufl. 1982) (Privatbesitz)

Zeitschrift VTF-Post, Jg. 47, Ausgabe 1/2021, Nr. P 180, Verein für Transkommunikations-Forschung e.V. (IGPP-Bibliothek, Z 214)

 

Schaufenster ins IGPP-Archiv #2 (02.07.2021)

„SICHER SIEGEN MIT URI GELLER“:
DER FUSSBALL UND DAS PARANORMALE

von Uwe Schellinger

Sicher siegen mit Uri Geller
Abbildung: Artikel „Sicher siegen mit Uri Geller“ (René Martens), in: Hattrick–Fußballmagazin, März 1997, 38f (Archiv des IGPP, Bestand 40/16)

Eine aus vielerlei Gründen höchst seltsame Fußball-Europameisterschaft 2021 biegt in ihre letzten Spielminuten ein. Deutlich geprägt wurde dieses um ein Jahr verschobene Turnier durch die Folgen der Corona-Pandemie. Vor allem deswegen war bei der EM 2021 vieles nicht normal ...
Dass sogar das Paranormale seinen Platz im professionellen Fußballsport hat und es zahlreiche Bezüge zwischen beiden Sphären gibt, lässt sich vielfach belegen.
So finden sich in den Pressesammlungen des IGPP immer wieder Meldungen über parapsychologisch bemerkenswerte Aspekte aus der Welt des Fußballs. Wer erinnert sich noch an die verblüffenden präkognitiven Talente des Oberhausener Kraken-Orakels Paul (2008-2010) bei der Weltmeisterschaft 2010? Immer wieder hört man von verletzten Spielern, die weniger auf den Mannschaftsarzt, sondern auf einen Wunderheiler hören. Mancherorts wabert das „Abstiegsgespenst“ durchs Stadion und 1954 soll Fritz Walter & Co. der „Geist von Spiez“ geholfen haben. Schließlich wird auch die „geheimnisvolle Verbindung zwischen Astrologie und Fußball“ bemüht, wenn um es Erfolg oder Misserfolg auf dem grünen Rasen geht. Und so weiter.

11 Freunde und 12 Sternzeichen
Abbildung: Buch „11 Freunde und 12 Sternzeichen: Die geheimnisvolle Verbindung zwischen Astrologie und Fußball“ (Thomas Otto Schneider, Köln: StrzeleckiBooks 2020) (IGPP-Bibliothek, Frei 122-I562)

Eine gewisse Rolle spielte hier immer mal wieder der unvermeidliche Uri Geller, allseits präsenter Medien-Star und Fan des FC Reading. Geller will laut eigener Aussagen vor allem bei der EM 1996 in England einige Spiele durch paranormale Aktivitäten beeinflusst haben: Bei den Spielen des englischen Teams grub er hinter den Toren magische Kristalle ein, zudem nötigte Uri Geller – im Auftrag einer Boulevardzeitung im Helikopter über dem Wembleystadion kreisend – angeblich per Gedankenkraft einen zuverlässigen schottischen Elfmeterschützen zum entscheidenden Fehlschuss. Die ThreeLions kamen bekanntlich bis ins Halbfinale, damals wurden sie durch den späteren Europameister Deutschland gestoppt.    
Inbesondere im Kontext der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika im Jahr 2010 wurden verstärkt die magischen Voodoo-Praktiken afrikanischer Nationalmannschaften
thematisiert. Angeblich gehörte dort zu jedem Funktionsteam wie selbstverständlich ein Schamane und auf den Fußballplätzen wurden alle denkbaren Fluch- oder Schutzobjekte eingebuddelt. Die Erzählung von der Fußball-Hexerei war so präsent, dass sie sogar von der Merchandise-Industrie verwertet wurde.

Spielzeug-Voodoo-Puppe zur WM 2010
Abbildung: FooTooKit (Spielzeug-Voodoo-Puppe zur WM 2010) (Fussy deluxe, 2010) (Archiv des IGPP, Objektesammlung, Bestand 8/4)

Voodoo im Strafraum
Abbildung: Buch „Voodoo im Strafraum: Fußball und Magie in Afrika“ (Oliver G. Becker, München: Beck, 2010) (IGPP-Bibliothek, Frei 122-F4VOODOO3)

Als im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie erstmals um sich griff, war natürlich auch der Fußball betroffen. Während im Jugend- und Amateurbereich der Spielbetrieb gänzlich eingestellt werden musste, rettete sich der Profifußball der Männer und Frauen mit isolierten Spielen ohne Publikum über die Runden. Schnell war die Metapher der sogenannten „Geisterspiele“ in aller Munde. Welche Geister hier nun gegeneinander spielten oder welche Geister die Tribünen bevölkerten, ist bei dieser Metapher allerdings nicht ganz schlüssig geklärt.

Geisterball
Abbildung: „Geisterball“: Von der Frauenmannschaft des SC Freiburg signierter Spielball ihres letzten Spiels in der Flyer-Alarm-Bundesliga-Saison 2019/2020 am 28.6.2020 (1.FFC Frankfurt-SC Freiburg 0:2) (Leihgabe Archiv des SC Freiburg e.V.)

 

Schaufenster ins IGPP-Archiv #1 (20.05.2021)

DAS ALIEN IM WALD - ODER:
DIE TÜCKEN DER WAHRNEHMUNG

von Gerhard Mayer & Jürgen Kornmeier

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Abbildung 1. (A): Gesamtbild der Wildkamera, Bereich mit humanoider Gestalt rot markiert. (B): Die humanoide Gestalt vergrößert (mitte) sowie eine Alien-Interpretation (links) und die Eichelhäher-Interpretation (rechts).
Skizzen von G. Mayer; Aufnahmejahr: 2013


Eine Rotte Wildschweine passierte 2013 über mehrere Wochen regelmäßig eine Lichtung im Freiburger Wald, weshalb passionierte Jäger dort eine bewegungssensitive Wildkamera aufstellten. Von einem Tag auf den anderen waren die Tiere dann plötzlich verschwunden, und zeitgleich hatte die Kamera 3 aufeinander folgende Bilder mit einer seltsamen humanoidähnlichen Gestalt von etwa 10 cm Größe aufgenommen (Abbildung 1). Die Jäger vermuteten einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden der Tiere und der aufgenommenen Gestalt. Man spekulierte über Waldgeister, außerirdische Wesen (Aliens) und auch über die potenzielle Gefahr, dieses Waldareal überhaupt noch zu betreten. Die Spekulationen wurden schließlich weiter befeuert durch Medienberichte über die sog. „Atacama“-Mumie. Diese der Wildkamera-Gestalt sehr ähnliche und auch etwa gleichgroße Mumie hatte im Mai 2013 in den Medien einiges Aufsehen erregt und ebenfalls Spekulationen über Aliens entfacht (Abbildung 2).

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Abbildung 2.
Kopf der Atacama-Mumie. Quelle:
Dr. Steven Greer, SiriusDisclosure.com

Eine Jägerin sandte das Bildmaterial schließlich im Juni 2014 an Gerhard Mayer im IGPP, mit der Bitte um eine professionelle Einschätzung. Sie und ihre Jägerkolleg:innen seien zum Schluss gekommen, dass das Objekt auf den Bildern etwas Paranormales sein müsse. Unsere Nachfrage ergab, dass die Jägerin Bilder der „Atacama“-Mumie zu jenem Zeitpunkt im Internet gesehen hatte.

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Abbildung 3. Typischer Eichelhäher

Nach intensiver Untersuchung des Bildmaterials fanden eine plausiblere konventionelle Erklärung: Bei dem vermeintlichen „Alien“ handelte es sich höchstwahrscheinlich um einen Eichelhäher (siehe Abbildung 3), der aufgrund der spezifischen Lichtsituation und Verdeckung durch Buschwerk missinterpretiert wurde. Die als Augenhöhlen interpretierten dunklen Flecken sind vermutlich die für einen Eichelhäher typischen dunklen Flecken am Hals. In Abbildung 4 haben wir die 3 Aufnahmen zu einem kurzen Filmchen zusammengesetzt. Hat man eine konkrete Vorstellung von einem Eichelhäher, sind die Vogelkontouren leicht erkennbar.

Diese Fallstudie ist ein interessantes Beispiel für ein allgemeineres Wahrnehmungsproblem: Die Informationen, die uns über unsere Sinne zur Verfügung stehen, sind unvollständig und mehrdeutig. Wir müssen sie mit Informationen aus anderen Quellen gewichten, um schnellstmöglich zur wahrscheinlichsten Wahrnehmungs-Interpretation zu gelangen. Dabei spielen räumlicher und zeitlicher Kontext (z.B. die Acatama-Mumie aus den Medien) eine Rolle, aber auch viele andere Wahrnehmungserfahrungen. Gesichter sind ein sehr prominenter Eintrag in unser Wahrnehmungsgedächtnis, weshalb wir in vielen verschiedenen Objekten sehr schnell ein Gesicht erkennen (sogenannte Pareidolien). Der Eichelhäher fehlte offensichtlich in der Gedächtnissammlung der Freiburger Jäger:innen. Ob es aber tatsächlich einer war − damals im Freiburger Wald − oder vielleicht doch ein Alien, und warum die Wildschweine verschwanden, bleibt ungeklärt.

Abbildung 4. Die drei Bildausschnitte in schneller Folge als Filmchen

 

Bildmaterial aus: Archiv des IGPP, WN3-Gerhard Mayer/Untersuchung „Bilder unserer Wildkamera“ (noch unverzeichnet)

Zu diesem Archivmaterial gibt es drei publizierte Artikel:

(1) Mayer G. & Kornmeier J. (2014). Rätselhafte Objekte auf den Bildern einer Wildkamera oder: die Tücken der Wahrnehmung. Zeitschrift für Anomalistik Band 14, 7-24.

(2) Kornmeier J. Mayer G. (2014) The alien in the forest OR when temporal context dominates perception. Perception 43(11), 1270-1274. [PDF-Anfrage per email]

(3) Mayer, G., & Kornmeier, J. (2019). Mysterious objects in pictures taken by a wildlife camera: The pitfalls of perception. In G. Mayer (Ed.), N equals 1: Single case studies in anomalistics (pp. 297-312). Zürich: LIT.