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Referent

Cyril Costines M.Sc.

Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Freiburg & IGPP Freiburg

 

 

 

 

Zusammenfassung

Wie konstituiert sich non-egoisches, non-duales Bewusstsein bei voller funktionaler Integrität? Der Vortrag erörtert diese Frage anhand eines phänomenologischen Interviews mit dem tibetisch-buddhistischen Lama Tilmann Lhündrup Borghardt. Dieser berichtet aus einer Nullten-Person-Perspektive (0PP) von einem Alltagserleben ohne phänomenales Selbst, das sich von Störungen des Selbsterlebens wie der Depersonalisation dadurch unterscheidet, dass die Vollzüge etwa in Wahrnehmung, Kognition, Affekt und Handlung ungestört bleiben und keine Entfremdung auftritt. Der Bericht wird streng phänomenologisch eingeordnet, ohne ontologische oder soteriologische Geltungsansprüche, anhand des Konzepts der minimalen phänomenalen Erfahrung (MPE). Unterschieden werden dabei ein MPE-Zustand als inhaltsarme Absorptionsepisode ohne diese Vollzüge, etwa in Meditation oder Floatation-REST, und ein MPE-Modus als anhaltende Weise des In-der-Welt-Seins, in der diese Vollzüge unverändert stattfinden. Beide teilen gleichwohl die phänomenale Signatur der Ichlosigkeit bei aufgehobener Subjekt-Objekt-Dualität. Abschließend wird dafür plädiert, 0PP-Berichten epistemisches Gewicht zuzuerkennen, für ein tieferes Verständnis dessen, was in der MPE als non-duales Gewahrsein erfahren wird: des blinden Flecks Strahlkraft.