Zusammenfassung
Das esoterische Feld der Nachkriegszeit ist geprägt von einer kaum überschaubaren Vielfalt an Themen und Diskursen. Ein bislang kaum erforschtes Gebiet ist die Runenesoterik. Nach einer produktiven Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts um den völkischen Esoteriker Guido List gewinnt nach dem Zweiten Weltkrieg in der alternativreligiösen Szene das Interesse an Runen an Bedeutung, insbesondere durch die Schriften Karl Spiesbergers. Er verbreitet seine Lehren nicht nur in Kreisen des Geheimbunds Fraternitas Saturni, sondern trägt durch seine Monographien und Beiträge in der Okkulten Stimme zur Popularisierung der Runenesoterik in breiteren alternativreligiösen Kreisen bei. Seine ‚Runenmagie‘ steht dabei in einer völkischen Tradition, von der er sich zu Lebzeiten nur teilweise distanzierte. Der Vortrag analysiert Spiesbergers Popularisierung von Runen sowie deren Verbindung mit Kabbala und zeichnet die Wirkung seiner Runenmagie auf die Rezeptionsgeschichte der Runenesoterik nach.
