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Zusammenfassung

Der Gegensatz Schulmedizin/Alternativmedizin (international: Complementary and Alternative Medicine, kurz CAM) entstand im 19. Jahrhundert, im Zuge der Etablierung der Schulmedizin als naturwissenschaftlich orientierter Mainstream-Medizin. Eine Besonderheit des Konfliktes ist, dass er mit der Medizin und der Wissenschaft zwei verschiedene Subsysteme mit je eigener Funktionslogik übergreift. Im Medizinsystem sind Handlungsfähigkeit, Therapieerfolge oder Erfolgshoffnungen maßgeblich. CAM setzt dort an, wo Beteiligte mit den Praktiken und Ergebnissen der Schulmedizin unzufrieden sind oder ihr grundsätzlich misstrauen. Die Kritik alternativmedizinischer Konzepte aufgrund mangelnder Wissenschaftlichkeit findet im Wissenschaftssystem statt. Fordert man für medizinische Praktiken den wissenschaftlichen Nachweis ihrer Wirksamkeit ein nach den Standards der Evidenzbasierten Medizin (EBM), dann wird die Unterscheidung zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin gekreuzt, denn es gibt auch in der Schulmedizin Unbestätigtes und Unwirksames, dessen Zuordnung als „wissenschaftlich“ dann oberflächlich erfolgt, aufgrund einer technisch-wissenschaftlichen Rahmung. Auf der anderen Seite gibt es CAM-Praktiken mit nachgewiesenem Nutzen, auch wenn die zugrundeliegenden Wirkmechanismen (noch) nicht naturwissenschaftlich nachgezeichnet werden können. Dieses Analyseschema ermöglicht ausgreifende Analysen ähnlicher Konstellationen, die sich in allen Bereichen der Gesellschaft finden lassen, wo es Leistungs- bzw. Erfolgsdruck und Leidensdruck gibt.