Zusammenfassung
Vor 20 Jahren wurde mit dem PAgE die erste Version eines Fragebogens zur Erfassung der Phänomenologie außergewöhnlicher Erfahrungen (AgE) für den internen Gebrauch im beratungspsychologischen Bereich des IGPP konzipiert. 2011 wurde das Instrument grundlegend überarbeitet (PAgE-R), in zahlreichen, auch externen Studien eingesetzt und nach umfangreichen psychometrischen Untersuchungen zum PAgE-II weiterentwickelt, der seit 2018 in der Forschung eingesetzt wird. Das Instrument ist phänomenologisch fundiert und weltanschaulich neutral. Es setzt eine Differenzierung zwischen Erlebnis (Phänomen) und Erfahrung (interpretiertes Phänomen) voraus und basiert auf einem Modell mit vier fundamentalen AgE-Dimensionen (Internalität, Externalität, Koinzidenz, Dissoziation). Die postulierte Struktur wurde faktorenanalytisch in zahlreichen Studien mit unterschiedlichen Populationen bestätigt, darunter AgE-Ratsuchende, Menschen mit Nahtoderfahrungen, Meditierende, Personen mit Schlafparalysen und Bevölkerungsstichproben aus verschiedenen Ländern.
In meinem Vortrag gebe ich einen Überblick über die Entwicklung und Validierung des PAgE sowie über die wichtigsten Forschungsergebnisse der vergangenen zwei Jahrzehnte. Dabei gehe ich auch auf mögliche Implikationen der Befunde im Hinblick auf die Frage des ontologischen Status außergewöhnlicher Erfahrungen ein. Abschließend diskutiere ich Perspektiven für den weiteren Einsatz des PAgE in Forschung und Praxis.
