Neuerscheinungen

 

Andreas Anton und Alan Schink: Der Kampf um die Wahrheit. Verschwörungstheorien zwischen Fake, Fiktion und Fakten.Komplett Media Verlag 2021, 336 Seiten, ISBN: 978-3-8312-0584-4

Der Kampf um die Wahrheit

Verschwörungstheorien zwischen Fake, Fiktion und Fakten

Waren Geheimdienste in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt? Verheimlicht die US-Regierung Wissen über UFOs? Stecken Bill Gates und die Pharmalobby hinter Corona? Entführen Satanisten weltweit Kinder um sie zu opfern und ihr Blut zu trinken? In den letzten Jahren haben Verschwörungstheorien eine ungeahnte Popularität erreicht. Im Zuge der SARS-CoV-2-Pandemie entstand in der Öffentlichkeit die Wahrnehmung, dass sich Verschwörungstheorien zu einer ernsten Gefahr für die Demokratie entwickeln. Der Kampf gegen sie ist heute Staatsräson.
Doch was genau sind eigentlich Verschwörungstheorien? Wie gefährlich sind sie wirklich? Wie entstehen sie und wie verbreiten sie sich? Und sind sie wirklich immer Unsinn oder steckt in mancher Verschwörungstheorie nicht auch das bekannte Fünkchen Wahrheit?
Die Soziologen Andreas Anton und Alan Schink geben in diesem Buch einen wissenschaftlich fundierten Überblick über Verschwörungstheorien und echte Verschwörungen. Sie zeigen, dass beide untrennbar miteinander verbunden sind, und dass es mit der »Wahrheit« oft weitaus schwieriger ist, als es auf den ersten Blick erscheint.


Michael Schetsche, Nadine Sarah Heintz & Renate-Berenike Schmidt (Hrsg.): Das Unheimliche in der modernen Welt. PeriLog - Freiburger Beirtäge zur Kultur- und Sozialforschung, 9. Berlin: Logos: Berlin 2021, 119 Seiten. ISBN 978-3-8325-5304-3

Das Unheimliche
in der modernen Welt

PeriLog - Freiburger Beiträge zur Kultur- und Sozialforschung, 9

Wenn wir an "das Unheimliche" denken, kommen den meisten von uns zunächst fiktionale Kulturprodukte in den Sinn: unheimliche Bücher und Filme, TV-Serien und Computerspiele. Entsprechend wird häufig übersehen, dass viele fiktionale Darstellungen von ganz realen unheimlichen Orten, Situationen, Gestalten in der Lebenswelt angeregt sind – und eben nicht umgekehrt. Ebenfalls weit verbreitet ist das Missverständnis, dass das Unheimliche erst mit der Ausbildung des Begriffs selbst entstanden wäre. Mit beiden Irrtümern räumt der Band auf. Das Gefühl des Unheimlichen ist eine anthropologische Konstante, die uns seit Menschengedenken begleitet – aus gutem Grund, dient der entsprechende Eindruck doch als Vorwarnsystem für zunächst noch ungeklärte Situationen, in denen wir noch nicht wissen, ob wir kämpfen oder flüchten, uns fürchten oder über unser eigenes Erschrecken lachen sollen.
Das durch diverse Ambivalenzen in Wahrnehmung und Interpretation der Außenwelt geprägte Gefühl ist dabei einerseits stets subjektiv, andererseits jedoch, dies zeigt die Vielzahl gut funktionierender fiktionaler Formate, eben auch intersubjektiv vermittel- und übertragbar. Die sieben Beiträge des Bandes adressieren das Unheimliche in ganz unterschiedlichen lebensweltlichen wie fiktionalen Erlebnisfeldern, gehen dabei jedoch über die reine empirische Rekonstruktion hinaus. Die populär gewordene Freudsche These, dass das Unheimliche stets in der verheimlichten Innenwelt des Subjekts seinen Anfang nähme, wird zum Ausgangspunkt für Überlegungen zu verschiedenen alternativen Lesarten des Unheimlichen in der modernen Welt.


Stephan Krall, Michael Nahm & Hans-Peter Waldrich: Hinter der Materie – Hans Driesch und die Natur des Lebens. Zug: Graue Edition, 2021, Hardcover mit Schutzumschlag, 383 Seiten. ISBN: 978-3-906336-84-8

Hinter der Materie

Hans Driesch und die Natur des Lebens

Die Biologie und Naturphilosophie werden gegenwärtig von frischen Denkströmungen belebt, die sich beispielsweise in Formulierungen einer erweiterten Fassung der neodarwinistischen Evolutionstheorie, neuer Konzepte und Interpretationen der Quantenphysik sowie panpsychistischer Ansätze zeigen. Es lohnt sich daher, das Werk des bedeutenden Biologen und Philosophen Hans Driesch (1867-1941) aus heutiger Sicht neu zu betrachten. Driesch setzte vor rund 100 Jahren mit der Formulierung eines ganzheitlichen Lebensverständnisses entscheidende Impulse, die heute wieder aktuell sind. Seine Pionierleistungen würdigend werden in diesem Buch verschiedene Aspekte seines Lebens, seiner empirischen Forschungen sowie seiner philosophischen Leitideen beleuchtet und in einen größeren Zusammenhang gestellt.


Schetsche, M. & Anton, A. (Hrsg.): Intersoziologie. Menschliche und nichtmenschliche Akteure in der Sozialwelt. Beltz Verlagsgruppe, 2021, ISBN:978-3-7799-6207-6

Intersoziologie

Menschliche und nichtmenschliche Akteure in der Sozialwelt

Die Soziologie geht im Allgemeinen davon aus, dass die von ihr zu untersuchende Sozialwelt aus Menschen besteht – und zwar ausschließlich aus Menschen. Nicht zuletzt durch die Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz geraten jedoch zunehmend nichtmenschliche Akteure in den Fokus der Aufmerksamkeit. Neben der KI sind dies etwa Tiere und Objekte, aber auch übernatürliche Wesen, die in vielen Kulturen ganz selbstverständlich zum Alltag gehören. So ist es an der Zeit, die Sozialwelt mit ihren unterschiedlichen Akteuren umfassender zu beschreiben, als dies bislang üblich war. Dies ist die Aufgabe des neuen integrativen Forschungsfeldes Intersoziologie.


Herausgeber Andreas Fischer und Dieter Vaitl für das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. und für die Städtischen Museen Freiburg, Augustinermuseum: Spuk! Die Fotografien von Leif Geiges. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2021, Klappenbroschur. ISBN 978-3-7319-0760-2

Spuk!

Die Fotografien von Leif Geiges

Städtische Museen Freiburg, Augustinermuseum: 1. Mai bis 26. September 2021

Paranormale Phänomene verunsichern und faszinieren die Menschen schon immer. Seit den 1950er Jahren werden sie in Freiburg wissenschaftlich untersucht. Der Fotograf und Bildjournalist Leif Geiges (1915–1990) arbeitete lange mit dem Parapsychologen Hans Bender (1907–1991) zusammen, Professor an der Universität und Gründer des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V. Nachgestellte Spuk-Szenen oder magische Praktiken und Experimente zur außersinnlichen Wahrnehmung: Die Ausstellung präsentiert erstmals umfassend das beeindruckende Bildmaterial, das dabei entstand.


Anna Lux: Wissenschaft als Grenzwissenschaft. Hans Bender (1907-1991) und die deutsche Parapsychologie. In der Reihe: Okkulte Moderne, 5. De Gruyter Oldenbourg, 2021, Hardcover. ISBN 9783110670813

Wissenschaft als Grenzwissenschaft

Hans Bender (1907-1991) und die deutsche Parapsychologie

Der Ausgangspunkt des Buches ist die Frage, wann und unter welchen Bedingungen ein Wissensfeld Legitimität als Wissenschaft erlangen kann. Im Mittelpunkt der historischen Analyse steht die kontinuierlich umstrittenen 'Grenz-Disziplin' der Parapsychologie und ihr wichtigster Vertreter Hans Bender. Die Geschichte des Fachs wird in ihrer Kontingenz analysiert und dabei die Interaktion von Wissenschaft, Gesellschaft und medialen Öffentlichkeiten bei der Herstellung von Legitimität diskutiert. Auf diese Weise wird dabei die Fachgeschichte der Parapsychologie eingebettet in 'klassische' universitätshistorische Perspektiven. Zum anderen wird über eine Perspektivierung ‚vom Rande’ her die Unabgeschlossenheit und Fragilität von Verwissenschaftlichungs- und Professionalisierungsprozessen diskutiert.

Den Text des Interviews "Die Spukforschung erforschen" der "Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" der Universität Freiburg mit Dr. Anna Lux findet man hier: https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/online-magazin/forschen-und-entdecken/die-spukforschung-erforschen

 


Uwe Schellinger/Michael Nahm: Freiburgs Gespenster. Spuk und Geister in der Stadt von 1800 bis heute. Ein Quellen- und Textbuch, korrigierte Neuauflage
Freiburg i.Br.: Eigenverlag, 2020, 158 Seiten, ISBN 978-3-00-068104-2, 10 Euro, Erwerb auch über archiv@igpp.de.

Freiburgs Gespenster

Spuk und Geister in der Stadt von 1800 bis heute

Spuk und Geistererscheinungen: So etwas gibt es doch gar nicht! Oder etwa doch?
In dieser Quellensammlung wird berichtet, was in Freiburg von 1800 bis heute diesbezüglich überliefert worden ist und wie das Gepenstische auch anderweitig behandelt und aufgegriffen wurde – beispielsweise in der Sagenliteratur oder auch in der Kunst.
Lassen Sie sich davon überraschen, welche ungewöhnlichen Aspekte die Freiburger Stadtgeschichte zu bieten hat.
Die Publikation ist im Kontext des Freiburger Stadtjubiläums "Freiburg 2020" mit städtischer Förderung entstanden.
Freiburg2020

 


Dieter Vaitl (Hrsg.): An den Grenzen unseres Wissens. Von der Faszination des Paranormalen. Freiburg i. Br.: Verlag Herder GmbH 2020, 544 S., Hardcover. ISBN 978-3-451-38737-1. EUR 50,00.

An den Grenzen unseres Wissens.

Von der Faszination des Paranormalen

Seit 70 Jahren beschäftigt sich das international bekannte Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V. (IGPP) in Freiburg mit anomalen Phänomenen unserer Alltagswelt wie Gedankenübertragung, Nahtoderfahrungen oder veränderten Bewusstseinszuständen. Es geht nicht allein um die klassischen Felder der Parapsychologie, wie Spukerscheinungen, Telepathie oder Hellsehen, sondern um die Erforschung von bisher nur unzureichend verstandenen Phänomenen an den Grenzen unseres Wissens. Forscher aus verschiedenen Disziplinen beschreiben in leicht verständlicher Form ihre Forschung am Institut.


Schetsche, M. & Anton, A. (2019). Die Gesellschaft der Außerirdischen. Einführung in die Exosoziologie. Wiesbaden: Springer VS. Verlag, 4. Februar 2019, ISBN  978-3658218645, 308 Seiten, 49,99 Euro

Die Gesellschaft der Außerirdischen.

Einführung in die Exosoziologie

Ist die Menschheit allein im Universum? Gibt es eine Chance, jenseits der Erde auf fremde Intelligenzen zu stoßen? Und was würde ein solcher Kontakt für die Zukunft der Menschheit bedeuten?

Dies sind die Fragen, die im Mittelpunkt der neuesten sozialwissenschaftlichen Subdisziplin stehen, der Exosoziologie. Das Buch liefert auch international die erste systematische Einführung in das Fachgebiet, das momentan an der Schnittstelle zwischen Zukunftsforschung, Soziologie der Fremdheit und Interspezies-Kommunikation entsteht. Ausgehend von etablierten sozialwissenschaftlichen Methoden und Theorien wird eine Perspektive für eine über die Erde hinausweisende transhumane Soziologie des 21. Jahrhunderts skizziert.


Anton, A., (2018). Das Paranormale im Sozialismus. Zum Umgang mit heterodoxen Wissensbeständen, Erfahrungen und Praktiken in der DDR. Berlin: Logos, 20. November 2018, ISBN 978-3-8325-4773-8, 327 Seiten, 44 Euro

Das Paranormale im Sozialismus

Zum Umgang mit heterodoxen Wissensbeständen, Erfahrungen und Praktiken in der DDR

Vor dem Hintergrund der auf dem Marxismus-Leninismus basierenden "wissenschaftlichen Weltanschauung" galten in der DDR alle im weitesten Sinne esoterischen, übersinnlichen, okkulten und alternativ-religiösen Themen als "finsterer Aberglaube" und wurden systematisch bekämpft. Das Ziel war eine Gesellschaft ohne "Irrationalismen".

Doch wie sah die Situation jenseits des offiziellen Umgangs der DDR-Staatsführung mit entsprechenden Themengebieten aus? Welche Rolle spielten Themen wie Gedankenübertragung, Wahrträume, Ahnungen, Spuk-, Geister- und Jenseitserscheinungen, Parapsychologie, Astrologie und Wahrsagepraktiken, Wunderheilungen, Homöopathie oder UFOs im Alltagsleben der DDR-Bürger? War ihnen durch die Etablierung des Sozialismus tatsächlich der Nährboden entzogen, wie es die offizielle Rhetorik verlautbaren ließ, oder existierten sie gleichsam im Untergrund weiter? Diesen und weiteren Fragen zum Umgang der DDR mit "dem Paranormalen" geht die vorliegende soziologisch-historische Studie erstmals in systematischer Weise nach.


Michael Schetsche & Ina Schmied-Knittel (Hrsg); Heterodoxie. Konzepte, Felder, Figuren der Abweichung. Köln: Herbert von Halem Verlag, 1. Februar 2018, ISBN-13: 978-3744511131, 285 Seiten, 29.00 Euro

Heterodoxie

Konzepte, Felder, Figuren der Abweichung

Richtiges versus falsches Wissen, erwünschte und unerwünschte Praxisformen, wahrer und falscher Glaube, wissenschaftlicher Mainstream oder Pseudowissenschaften, Faktenwissen versus alternative Wirklichkeitsbestimmung - eben: Orthodoxie und Heterodoxie. Seit Pierre Bourdieu diese Differenz in die Kultur- und So­zialwissenschaften eingebracht hat, spukt die Vorstellung von heterodoxen Wissensbeständen, Ideen und Deutungen nicht nur durch die So­ziologie. Auch in der Literatur-, Kunst- und Wirtschaftswissenschaft ist das Konzept auf fruchtbaren Boden gefallen. Und in Theologie und Religionswissenschaft war der Begriff - in einem sehr prägenden Verständnis - schon lange vorher heimisch. Gleichwohl ist Hetero­doxie als wissenschaftliche Kategorie bis heute theoretisch seltsam unbestimmt und zumeist auch empirisch ziemlich unkonkret geblieben. Diesem Mangel will der vorliegende Sammel­band abhelfen: 14 Beiträge aus Religionswis­senschaft, Medizingeschichte, Wissenschaftsge­schichte, Ökonomie sowie Wissens- und Kultur­soziologie versuchen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln dem Konzept nicht nur neue theo­retische Schärfe zu verleihen, sondern ihm auch empirisch eine erkennbare Kontur zu geben. Ganz anschaulich geht es dabei beispielsweise um Sektierertum, Forschungsanträge, Aber­glaube, Verschwörungstheorien und Heilkunde.

Mit Beiträgen von: Clemens Albrecht, Andreas Anton, Eva Barlösius, Ulrich Bröckling, Christian, Dries, Klaus Fischer, Fabian Fries, Bernhard Giesen, Florian Heßdörfer, Katrin Hirte, Hubert Knoblauch, Francis Le Maitre, Matthias Leanza Kim-Claude Meyer, Katharina Neef, Michael Schetsche, Alan Schink, Tobias Schlechtriemen, Ina Schmied-Knittel, Bernt Schnettler, Heinz Schott, Sebastian Thieme


Uwe Schellinger (Hrsg.): locus occultus. Heilender, populärer und wissenschaftlicher Okkultismus in Freiburg 1900 bis 1945, Heidelberg u.a.: verlag regionalkultur 2017. 256 S. mit 73 Abb., Broschur. ISBN 978-3-95505-015-3. EUR 16,90.

locus occultus.

Heilender, populärer und wissenschaftlicher Okkultismus in Freiburg 1900 bis 1945

Schon lange bevor Freiburg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Zentrum der wissenschaftlichen Forschungen zur Parapsychologie sowie als Hochburg der Esoterik bekannt wurde, gehörten Okkultismus, Spiritismus und der Glaube an paranormale Phänomene zur Lebenswelt der Breisgau-Hauptstadt. Zwischen 1900 und 1945 boten zahlreiche "Magnetopathen" und sonstige Laienheiler unorthodoxe Gesundheitstherapien an, bekannte Hellseher und Telepathen traten in Erscheinung und wurden experimentell untersucht, die Praxis der Astrologie war populär, Tiere wurden zum Sprechen gebracht und in der Stadt existierten mehrere auf Occulta spezialisierte Verlage und Buchhandlungen. Hervorgegangen aus einer Veranstaltung an der Universität Freiburg beleuchten die Einzelbeiträge dieses Bandes zumeist noch unbekannte Facetten der Freiburger Lokalgeschichte. Der Sammelband liefert damit auch Anregungen für die Spurensuche nach dem Paranormalen in anderen Städten.